Johann Gregor Mendel
(1822-1884)
Begründer der Vererbungslehre

Eine Wanderausstellung, die sich mit dem Leben und den Leistungen Johann Gregor Mendels, dem Mönch und Naturforscher aus Mähren befaßt.
Seine Kreuzungsversuche mit Erbsen deckten die Gesetze der Vererbungslehre auf. Damit wurde er Begründer der Genetik. Die Ausstellung will die Aufmerksamkeit auch auf das Geburtshaus Mendels in Heinzendorf richten, das nun in einer sudetendeutsch-tschechischen Kooperation zu einem Kultur- und Begegnungszentrum ausgebaut werden soll.

Ausstellung

Die neue Wanderausstellung wurde am Mittwoch, 19. Februar 2003 um 18 Uhr im Sudetendeutschen Haus in München eröffnet. Sie befaßt sich mit dem Leben und Werk Johann Gregor Mendels, dem Mönch und Naturforscher aus Mähren.
Als Mendel 1822 geboren wurde, war ihm der spätere Ruhm nicht in die Wiege gelegt. Ein Unfall seines Vaters zwang zur Aufgabe des elterlichen Bauernhofes, die Ausbildung des begabten Sohnes überstieg die nun beengten Finanzverhältnisse. Nur die Unterstützung seiner jüngsten Schwester Theresia, die auf einen Teil ihres Erbes verzichtete, öffnete ihm den Weg zu einer fundierten Ausbildung.
Mendel trat 1843 dem Augustinerorden in Brünn bei. Das Kloster war ein Hort der Wissenschaft und Forschung, die ideale Umgebung für den wißbegierigen jungen Mann. Das Wissen von der Vererbung war zu seiner Zeit vage und weitgehend spekulativ. Zwischen 1854 und 1863 führte Mendel im Klostergarten von St. Thomas in Brünn zahlreiche Kreuzungsversuche mit Erbsenpflanzen durch. Als Ergebnis formulierte er die nach ihm benannten Vererbungsgesetze. Sie wurden Grundlage für eine neue Wissenschaft, die Genetik. Doch die Zeit war noch nicht reif für Mendels Erkenntnisse.
1868 wurde Mendel zum Abt und Prälaten des Augustinerklosters gewählt und beendete seine wissenschaftlichen Forschungen weitgehend. Bis zu seinem Tod 1884 war er stark von den politischen und gesellschaftlichen Verpflichtungen seines neuen Amtes beansprucht.
Erst im Jahr 1900 wurde der Wert von Mendels Arbeiten erkannt. 1909 wurde der Begriff "Gen" für die Mendelschen "Merkmale" eingeführt, 100 Jahre nach Mendels Tod wurde die chemische Natur des Gens, die DNA nachgewiesen.
Heute werden in die Genetik große Hoffnungen gesetzt; zugleich aber ruft sie wie kaum eine andere Wissenschaft zahlreiche Ängste hervor. Vom Umgang des Menschen mit der neuen Fähigkeit zur Genmanipulation wird das Schicksal von Millionen abhängen. Da kann es durchaus hilfreich sein, sich an den bescheidenen Mönch zu erinnern, der am Anfang dieser neuen Wissenschaft stand und sich zu fragen, wie er zu den aktuellen Entwicklungen stehen würde.
Das Geburtshaus Mendels in Heinzendorf/Vra√Ö¬ĺné steht noch. Eine tschechisch-deutsche Stiftungsinitiative hat das Haus nun gekauft, ein kulturelles Zentrum für die Region soll dort entstehen.
Die neue Wanderausstellung wurde erstellt von der Sudetendeutschen Heimatpflege und der Heimatlandschaft Kuhländchen. Bei der Eröffnung hielt Pater Clemens Richter, der Ur-Großneffe von Johann Gregor Mendel die Festansprache. Rudolf Friedrich MdL, Landesbeauftrager der Hessischen Landesregierung für Heimatvertriebene, war anwesend.
Für die musikalische Umrahmung sorgten Maria Ebersberger (Hackbrett) und Anita Staltmaier (Gitarre). Im Anschluß hatte die Heimatlandschaft Kuhländchen zu einem kleinen Empfang eingeladen.

Die zweisprachige (deutsch/tschechisch) Wanderausstellung "Johann Gregor Mendel" kann ab Ende März 2003
kostenlos entliehen werden.

Informationen bei: Verein ALTE HEIMAT e.V.

Schafäckerweg 16
D-69168 Wiesloch
Tel. & Fax 03212-1023233
e-mail: vorstand(at)kuhlaendchen(dot)de

und bei der Heimatpflegerin der Sudetendeutschen, Hochstr. 8,
D-81669 München, Tel. 089-48000-365, eMail: heimatpflege(at)sudeten(dot)de

Zur Ausstellung wird eine Begleitschrift angeboten, die für Euro 5,50 (zzgl. Porto) bestellt werden kann.

Die Eröffnung der Mendel-Ausstellung im Sudetendeutschen Haus im Februar 2003 war eine gelungene, dem Ereignis und der Erinnerung Mendels, angemessene Feier, wie von Teilnehmern bestätigt wurde. Neben den Worten der Begrüßung zur Ausstellung von Heimatpflegerin der Sudetendeutschen, Dr. Susanne Habel, kam auch Landschaftsbetreuer für das Kuhländchen, Fridolin Scholz auf die Ausstellung zu sprechen, die für die Kuhländler zu Ehren des großen Landsmannes eine besondere Bedeutung, auch im Hinblick auf die Erhaltung des Mendel-Geburtshauses in Heinzendorf, heute in der Tschechischen Republik hat. Der ehemalige BM von Novy Jicin/Neutitschein Herr Wessely, sprach Begrüßungsworte im Namen der tschechischen Gäste.
Die von Pater Clemens Richter gehaltene Festansprache unter der Überschrift "Erinnerungen an Gregor Mendel", ließ neben der Würdigung Mendels als Priester, auch hinter den Kulissen unwürdige, ungerechte und unbegründete Beschuldigungen gegen den Priester und Wissenschaftler erahnen.

 


Plenum mit über 100 Gästen

Musikalische Umrahmung
Maria Ebersberger (Hackbrett) und
Anita Staltmaier (Gitarre)
   

Im Ausstellungsraum

Im Gespräch, von links:
Rudolf Friedrich, Dr. Wolfgang Bruder
und Fridolin Scholz

Pater Clemens Richter OSA

Erinnerungen an Gregor Mendel

Im Haus meiner Großeltern in Heinzendorf ( heute Vra√Ö¬ĺné), gab es im Ausgedinge ein Zimmer, das meistens verschlossen war, und das die Großeltern und alle denen sie es öffneten, nur mit größter Ehrfurcht betraten. In diesem Zimmer hing ein großes Bild in einem schweren Rahmen, das einen kirchlichen Würdenträger in violett-rotem Talar und weißem, reich bestickten Rochet und mit Brustkreuz darstellte. Erst später erfuhr ich, dass dieser hohe Herr unser Urgroßonkel, der Prälat Johann Gregor Mendel, der Abt des Augustinerklosters zu Alt-Brünn und Entdecker der Vererbungsgesetze war.
In langjähriger Forschungsarbeit entdeckte er die nach ihm benannten Vererbungsgesetze und wurde damit zum Begründer der modernen Genetik. Nicht nur als Verwandter sondern auch als Augustiner fühle ich mich dieser großen Persönlichkeit sehr verbunden. Man wird Mendel nicht gerecht, wenn man ihn nur als Naturforscher und nicht auch als Mensch und Priester sieht.
Johann Mendel (Gregor ist sein Ordensname) stammt aus einer tiefreligiösen Familie in Heinzendorf, im damaligen Österreich-Schlesien. Von dem christlichen Geist, der in der bäuerlichen Familie herrschte, gibt noch heute eine gebrannte Kachel, die sich im Wohnzimmer der Familie als Wandschmuck befand, Zeugnis. Sie zeigt das Symbol der heiligen Dreifaltigkeit, drei ineinander geschlungene Kreise, in denen die drei Worte geschrieben stehen: "Dein Wille geschehe". Ein kurzes christliches Lebensprogramm kommt darin zum Ausdruck. Diese Inschrift mag sich auch dem Knaben, der hier mit seinen beiden Schwestern Veronika und Theresia aufwuchs, tief eingeprägt haben. So war es sicher auch sein eigener Wunsch, Priester zu werden und nicht der seines Heimatpfarrers oder das Drängen seiner Eltern.

So trat er 1843 - er war damals schon Philosophiestudent - in das Augustinerkloster in Alt-Brünn ein. Bei einem meiner letzten Besuche des Mendelmuseums in Brünn zeigte mir die Leiterin des Museums, Frau Dr. Matalova, das Dokument seiner feierlichen Profeß, die er am 26. Dezember 1846 abgelegt hat. Es besteht kein Zweifel, dass Mendel die Verpflichtungen seines Ordenslebens innerlich zeitlebens bejahte und seine Ordensgelübde treu zu erfüllen suchte. Wie anders hätten ihn sonst seine Mitbrüder nach dem Tod seines Vorgängers Cyrill Napp einstimmig zum Abt gewählt. Bei seiner Wahl spielten bestimmt seine hervorragenden Charaktereigenschaften und seine Verdienste um die Kirche, Schule und Wissenschaft, sowie auch seine bekannte nationale Toleranz keine geringe Rolle (J.Sajner).

Josef Sajner schreibt in seinem Buch über Mendel weiter: Mendel sah in seiner Wahl zum Abt den Willen Gottes und nahm sie opferbereit und freudig in christlicher Hingabe an. Das Kloster war nun für ihn sein ein und alles, und auch in politischer Hinsicht bestanden zwischen beiden große Gegensätze. Klácel gehörte zu einem Kreis national gesinnter Tschechen, von denen manche für die Zukunft die Bildung eines altslavischen Staates, viele aber wenigstens die eines tschechisch geführten, die böhmischen Länder umfassenden Staates erhofften.

Mendel hingegen, stammte aus einer deutschen Bauernfamilie des Kuhländchens in Nordmähren im ehemaligen Österreich-Schlesien, das seit Jahrhunderten von Deutschen besiedelt war. Mendel also war österreichischer Patriot und damit Anhänger einer übernationalen Staatsidee. Wir können heute sagen, er war ein echter Europäer! Gerade deshalb anerkannte er allerdings auch die berechtigten nationalen Forderungen des tschechischen Volkes.

Was wissen wir von Mendels Persönlichkeit?

Seine äußere Erscheinung wird von seinen Zeitgenossen als mittelgroß, breitschultrig und etwa behäbig geschildert. Er war aufgeschlossen für jedermann und gern zum Gespräch bereit. Stets hatte er Sinn für Humor oder Situationskomik. Es fehlte ihm nie an Fleiß und Ausdauer und er war ein hervorragender Lehrer. Vor allem wird von seinen Zeitgenossen das Gewinnende seines Wesens hervorgehoben. Er war ein Mensch mit einem liebenden und verständnisvollen Herzen. Sein Verhalten zu den Confratres war wahrhaft, brüderlich und hilfsbereit. Sein mitfühlendes und verständnisvolles Herz kam vor allem in den Werken christlicher Caritas zum Ausdruck, die er als Abt gegenüber allen Armen und Notleidenden in großzügigster Weise übte. Einer seiner Mitbrüder hat in einem lateinischen Nachruf die Persönlichkeit des verstorbenen Abtes mit diesem kurzen Wort charakterisiert.:" Affabilis unicuique"! Liebenswürdig und gütig gegen jeden. Was kann man von einem Menschen und erst recht von einem Christen und Priester Schöneres sagen!

Wie jede große Persönlichkeit hatte Mendel nicht nur Freunde und Verehrer, sondern auch Neider und Feinde. So hat schon vor etwa 70 Jahren R.A. Fisher der Entdecker der Gesetze der Wahrscheinlichkeitsrechnung, darauf hingewiesen, dass die statistischen Ergebnisse der Mendelschen Untersuchungen eine derart vollkommene Übereinstimmung mit den von ihm entdeckten Regeln der Vererbung aufweisen, dass diese unwahrscheinlich sei und den Verdacht wecke, Mendel hätte diese Zahlen nach den von ihm entdeckten Regeln "korrigiert". Die Kritik an Mendel wurde bis zum Vorwurf der bewussten Manipulation der Daten gesteigert. So in einem allerdings unwissenschaftlichen Beitrag der Zeitschrift "Psychologie heute" vom Dezember 1976. Vor längerer Zeit wiederholte der Deutsche und Schweizerische Rundfunk in einer Sendung über Gregor Mendel die Auffassung, dieser habe bei seinen Untersuchungen "gemogelt" indem er mit dem Zählen aufhörte, sobald das erwartete statistische Verhältnis erreicht war. (Wahrscheinlich haben sich die Schüler von dieser ganzen Sendung, welche ihnen die Vererbungsregeln verständlich machen sollte, nur gemerkt, dass Mendel "gemogelt" habe.)

Man kann deutlich erkennen, dass die ursprüngliche Kritik durch R.A. Fisher durch die Popularisierung zu einer Anzweiflung der wissenschaftlichen Redlichkeit und schließlich zu einer Diffamierung des Menschen, Christen und Priesters Gregor Mendel ausgewuchert ist. Denn wie Friedrich Schiller bereits im Hinblick auf das Urteil seiner Zeitgenossen über Jeanne d'Arc gesagt hat;" Es liebt die Welt, das Strahlende zu schwärzen und das Erhabene in den Staub zu ziehen." Um eine unberechtigte Herabsetzung Mendels handelt es sich tatsächlich bei diesen diffamierenden Behauptungen.

Mein väterlicher Freund, Prof. Dr. Franz Weiling, Bonn, der vor einigen Monaten gestorben ist, hat das seit mehr als dreißig Jahren wiederholt eindeutig nachgewiesen. Schon aus diesem Grund ist ihm unser Orden zu großem Dank verpflichtet. Prof. Weiling hat nämlich aufgezeigt, dass eine wichtige Voraussetzung fehlt, um den von Fisher entwickelten "X2-Test" zur "Prüfung der überzufälligen Genauigkeit genetischer Spaltungsregeln" (Weiling), wie sie bei Mendel festgestellt wurden, verwenden zu können. Weiling hat auch die Zahlenangaben von 4 anderen Gelehrten überprüft, die in den Jahren von 1900 - 1910 wie Mendel Kreuzungsversuche mit Erbsen durchgeführt haben, und hat auch bei diesen die nach der Wahrscheinlichkeitsrechnung "überzufälligen" Zahlenverhältnisse vorgefunden.

Prof. Weiling hat auf diese Tatsachen in zahlreichen Veröffentlichungen in wissenschaftlichen Zeitschriften hingewiesen. Nirgends wurde von sachkundiger Seite ein Widerspruch gegen diese Richtigstellung erhoben, sodass der Vorwurf wissenschaftlicher Unredlichkeit Gregor Mendels von ernstzunehmenden Autoren nicht mehr erhoben werden kann. Von den Arbeiten Weilings seien die wichtigsten angeführt:

  1. Kommentar zu Gregor Mendel: Versuche über Pflanzenhybriden. Braunschweig 1970. 110 S
  2. Hat J.G. Mendel "zu genau" gearbeitet? Der X2-Test und seine Bedeutung bei der Beurteilung genetischer Spaltungsverhältnisse. Vortrag bei der internationalen Tagung über mathematische Statistik und ihre Anwendungen. Berlin, 6.-9. Mai 1966, veröffentlicht in: Abh. D. Dt. Akad. D. Wiss. Berlin. K. f.Mathe., Physik und Technik. Jg. 1967 Nr. 4 (1968) S. 199-201.
  3. Die Mendelschen Erbversuche in biometrischer Sicht. Biometr. Zeitschr. 7 1965 S. 230-262
  4. Johann Gregor Mendel als Statistiker und Biometriker. Seminarvorlesung: Inst. f. Mathe., Statistik und Versicherungslehre, Uni Bern 1. Feb. 1980
  5. Denkmalschändung. Hat der Entdecker der Vererbungsregeln, G. Mendel, Daten manipuliert? 1978. (Es ist kennzeichnend für die "Wissenschaftlichkeit" der Zeitschrift "Psychologie heute", dass diese Widerlegung des oben erwähnten, Mendel diffamierenden Artikels, von der Redaktion dieser Zeitschrift zwar zum Druck angenommen, aber nie veröffentlicht worden ist).

Zwei Predigtskizzen, die vor einiger Zeit gefunden worden sind, geben Aufschluss darüber, wie tief Gregor Mendel im Glauben verankert gewesen sein muss. Mit Eifer bemühte er sich, seinen Zuhörern die unverfälschte christliche Lehre nahezubringen und sie etwas von der Schönheit und dem Trost der frohen Botschaft Jesu Christi erfahren zu lassen. Klar arbeitete er die christlichen Grundwahrheiten heraus, die Wahrheit von Jesu Tod und Auferstehung. Von Sünde und Vergebung; vom Wachsen und Reifen des göttlichen Gnadenlebens im Menschen; von der Bedeutung der Sakramente: der Taufe, der Buße und der Eucharistie; vom ewigen Leben in Gottes Gnade und Herrlichkeit.

Auffallend ist, wie reich er Bilder aus der Natur heranzieht, um die religiösen Wahrheiten zu veranschaulichen. Es ist wohl auch nicht zufällig, dass Mendel, den man den Vater der modernen Biologie genannt hat, in seiner Predigt so oft das Wort Leben in den Mund nimmt: Er spricht vom Leben, das Jesus im Überfluss bringen wollte; von jenem Leben vollkommener Art, das uns innig mit Christus verbindet, dann von dem verklärten Leben des auferstandenen Herrn selbst, und schließlich von jenem anderen Leben bei Gott und in Gott, das von den Mängeln des irdischen Lebens nichts mehr kennt. Und damit verbindet Mendel die Bilder von Sonne und Licht. Er bezeichnet die Erlösung und die Gnade Christi bildlich als die Ostersonne, deren Licht sich aus dem Grab des Erlösers in die ganze Welt und in die Menschenherzen ergießt und in ihnen neues Leben und neue Freude weckt.
Gerade in diesen Bildern von Licht und Leben bekundet Mendel nicht nur seine Liebe zur Natur, sondern auch seine in der hl. Schrift verankerte Religiösität. Licht und Leben sind zentrale Begriffe, mit denen das Johannes-Evangelium das Geheimnis des Heils in Christus umschreibt. Das Wort Gottes ist in diese Welt gesandt als das wahre Licht und als das Leben in Person, um allen, die an ihn glauben, Licht und Leben mitzuteilen. In der Art, wie diese johanneischen Bilder von Abt Gregor Mendel in seiner Predigt verwendet werden, dürfte sich somit auch kundtun, wie sehr er in der Gedankenwelt des NT zu Hause war. Er offenbart sich hier als ein innerlicher Mensch, der das, was er auf der Kanzel verkündet, zuerst in stiller Besinnung vor Gott meditiert hat.

Noch in anderer Hinsicht gewähren diese beiden Predigten einen gewissen Einblick in das religiöse Empfinden und Erleben dieses großen Mannes: Die letzten zehn Jahre in Mendels Leben waren beherrscht von einem aussichtslosen Streit, den er als Abt mit der österreichischen Regierung wegen einer außerordentlichen Besteuerung der Abtei ausfocht. Mendel sah in dieser Besteuerung ein Unrecht, zumal die Höhe der geforderten Abgaben das erträgliche Maß weit überschritt. Mit der ihm eigenen Zähigkeit hat er die Zahlung von Anfang an bis zu seinem Tod verweigert. Dieser zermürbende Streit mit der Regierung verdüsterte seinen Lebensabend. Auch von seinen Mitbrüdern, die ihm durchaus wohlgesinnt waren, aber in der misslichen Angelegenheit ein Einlenken wünschten, fühlte er sich mehr und mehr unverstanden und im Stich gelassen. Dem Sieg des Rechts über das Unrecht, wie er es empfand, galt sein ganzes Sinnen und Trachten.

Dass die Regierung einige Jahre nach Mendels Tod das fragliche Gesetz stillschweigend aufhob, ja sogar die gezahlten Beträge den Klöstern, die sich diesem Gesetz gebeugt hatten, zurückzahlte, beweist, dass Mendel das moralische Recht doch auf seiner Seite hatte.

Wie sehr Gregor Mendel tatsächlich unter diesem ihm aufgebürdeten Kreuz gelitten hat, lässt nun die zweite Predigt deutlich erkennen. Sie schildert den Ostertag als den großen Siegestag Christi. Diese Schilderung aber leitet der Prediger mit dem bitteren Satz ein:" Wie mutet es einen frommen Christen an, mitten in der unrechten Welt von "Sieg" zu hören und nicht wieder von Hintansetzung, Beschimpfung und Verfolgung". Er dachte bei diesen Worten gewiss nicht nur an das Unrecht der Verfolgung und Verleumdung, das Jesus erleiden musste, sondern auch an das ihm selbst zugefügte Unrecht.
Zugleich zeigt die Predigt aber auch, wie er persönlich sein bitteres seelisches Leid zu meistern suchte. Gerade in seinem lebendigen Glauben an Christi Kreuz und Sieg suchte und fand er, wie er sich in der Predigt ausdrückt: "Belehrung, Erbauung und Trost". Wenn er am Ende der Predigt sagt, dass der Auferstandene auch noch in der himmlischen Glorie seine Wunden als Zeichen seiner Liebe trägt und sie denen mitteilt, die ihn lieben, so zeigt sich hier deutlich, wie er selbst darum gerungen hat, sein seelisches Leid vom Kreuzesleiden Christi her zu verklären und zu bewältigen. Und wie er zu Beginn der Predigt von der ungerechten Welt hier auf Erden gesprochen hatte, so schließt er mit dem Ausblick auf das Leben in Gott und nennt es ein Leben "in der Glut der Gerechtigkeit und Güte" Gottes.

Das irdische Unrecht, das Mendel zu erleiden glaubte, ließ ihn voll Hoffnung Ausschau halten nach der vollkommenden Gerechtigkeit Gottes, die er ausgeglichen und überstrahlt wusste von Gottes Güte, er gab ihm sein Bestes, sein ganzes Denken und Fühlen. Die Gaben seines Geistes und Herzens und seine Liebenswürdigkeit befähigten ihn zu diesem arbeitsreichen und verant-wortungsvollen Amt; sie machten ihn zum guten Hirten und besorgten Vater aller seiner Untergebenen, der darauf bedacht war, jedem einzelnen Liebes und Gutes zu erweisen. In einem Nachruf auf Mendel heißt es wörtlich: "In seinem Wirken als Abt hat er sich durch Freigebigkeit, Liebe und Milde die Achtung und Verehrung aller erworben, so dass man mit Recht behaupten kann, er habe keinen persönlichen Feind gehabt. Kein Hilfesuchender wurde von ihm ohne Unterstützung entlassen. Prälat Mendel besaß die seltene Gabe, Almosen zu geben., ohne es den Bittsteller fühlen zu lassen, dass ihm ein solches gereicht wurde.

Umso erstaunlicher, ja schockierend ist es, dass ihn sein älterer Mitbruder Franz Matth. Klácel in Amerika, wohin er 1869 nach seinem Austritt aus dem Orden und Bruch mit der Kirche ausgewandert war, in ziemlich unflätiger Art und Weise verunglimpft hat.

Er schreibt - wohl einige Jahre vor seinem Tod (1882) - über Mendel: Nach dem Prälaten Cyrill Napp, Mendels Vorgänger (+1868), wurde "ein junger Professor zum Abt gewählt, der zwar einmal mein gelehrter und freiden-kender Freund gewesen war, aber nach seiner Wahl zum Abt ein duckmäuserischer Heuchler geworden ist, der es verstand, allen zu gefallen; es lag ihm nichts an dem, was es rechts oder links gab; es lag ihm nur noch etwas an dem "Goldenen Kalb", das er in einem Osterlamm versteckte. Er hat umso bereitwilliger auf alle Ideale geschworen, je weniger er an sie geglaubt hat".

Zwar bemerkte die Biografin Klácels mit Recht, dass die Gehässigkeit dieser Worte ihre Glaubwürdigkeit mindern. Trotzdem müssen wir die Frage ernsthaft prüfen, ob Klácels Urteil der Wahrheit entspricht oder nicht.
Der vielseitig interessierte Klácel war stark von den philosophischen und freiheitlichen Ideen der Zeit um 1848 erfüllt. Er hat sich aber unter dem Einfluss Hegelscher Gedanken und infolge seines eigenen schwärmerischen Idealismus immer mehr in pantheistische Vorstellungen sowie in soziale und politische Utopien verloren. So gelangte er in einen immer schärfer werdenden Gegensatz zu der bestehenden sozialen und politischen Ordnung der Habsburger Monarchie, sowie zur kirchlichen Lehre und zum Klosterleben.

Mendel hingegen, der sich in seinen ersten Klosterjahren offensichtlich stark von Klácel, der 13 Jahre vor ihm in das Brünner Kloster eingetreten war, beeinflussen ließ, ging den entgegengesetzten Weg. Zwar bewahrte er sich zeitlebens eine richtig zu verstehende freiheitliche Gesinnung und Gegnerschaft gegen jeden Absolutismus in Staat und Kirche. Er gelangte aber, sicherlich auch infolge seiner Verwurzelung in der christlich geprägten bäuerlichen Tradition seiner Familie, zu einem immer tieferen Verständnis des Theismus und der christlichen Glaubenslehre. Mit Klácels pantheistischen Ideen konnte er wegen seines klaren logischen Denkens wohl von vornherein nichts anfangen.

So zeigen diese Predigten den Brünner Abt als Prediger und Seelsorger von gläubiger Überzeugung und religiöser Tiefe.
Menschlich gesehen ist es gewiss eine Tragik, dass dieser große Mann in den letzten Lebensjahren seine Kraft in einem aussichtlosen Kampf um ein vermeintliches Recht verbrauchte. Und nicht weniger tragisch mag er es selbst empfunden haben, dass seine grundlegende naturwissenschaftliche Entdeckung, die heute in aller Welt bekannten und anerkannten "Mendelschen Regeln der Vererbung", von seinen Zeitgenossen in ihrer wahrhaft umwälzenden Bedeutung nicht erfasst und nicht anerkannt wurde. Damals hatte er zu einem Freund gesagt: "Meine Zeit wird kommen".

Seine Zeit ist gekommen und - so will es mir scheinen - über ihn hinweggegangen. Denn wenn sich die moderne Genetik mit all ihren Möglichkeiten so weiterentwickelt, ohne auf christliche Grundwerte und sittliche Normen zu achten, dann kann einem vor der Zukunft Angst und Bange werden.


Literatur:
Löther, R., 1989: Wegbereiter der Genetik - Gregor Johann Mendel und August Weismann. Urania-Verlag, Leipzig, Jena, Berlin
Sajner, J., 1983: Johann Gregor Mendel, Leben und Werk, 2. Auflage, Leipzig
Weiling, F., 1965: Die Mendelschen Erbversuche in biometrischer Sicht. Biometr. Zeitschr. 1965, 230-262
Weiling, F., 1968: Hat Mendel "zu genau" gearbeitet? Der "X2-Test" und seine Bedeutung bei der Beurteilung genetischer Spaltungsverhältnisse. Abh. dt. Akad. Wiss. Berlin, Kl. Mathem. Phys. und Technik, Jg. 1967, Nr. 4, 199-201
Weiling, F., 1970: Kommentar zu Gregor Mendel: Versuche über Pflanzenhybriden, Braunschweig


Ausstellungen

Die Mendel-Ausstellung, eine unserer erfolgreichsten Ausstellungen der SL (siehe Ausstellungstermine). Eine Version als "Deutsch-Englische Ausstellung" war in Österreich unterwegs, zuletzt im Weinviertler Museumsdorf in Niedersulz, dort ausgestellt im "Südmährerhof". Südmährerhof
   
In der Tschechischen Republik ist eine Version in "Deutsch-Tschechisch" unterwegs. Sie war gerade in Neutitschein/Novy Jicin ...
 

Ausstellung im Theatervorraum in Neutitschein/Novy Jicin
Neutitschein/Novy Jicin
   
... und in Odrau/Odry und geht dort weiter in andere Städte
(siehe Ausstellungstermine).
 

Bei der Eröffnung der Ausstellung in Odrau singen Schüler
Die Ausstellungstafeln
   

Das ausgelegte Gästebuch in Odrau/Odry

Bürgerm. Ing. Vladimir Nippert aus Groß-Petersdorf, Heinzendorf-Vrazne/Hyncice, wo das Geburtshaus von J. G.Mendel steht, wird interviewt
   

Wieder gelungene Mendel-Ausstellungen

Im Haus der Heimat in Stuttgart, fand eine Mendel-Ausstellung in Zusammenarbeit mit der Heimatlandschaft Kuhländchen und dem Regierungspräsidium Stuttgart, Schule und Bildung vom 5. Februar bis 2. März 2007, statt.

Am 8. 2. waren Kuhländler Landsleute im Haus der Heimat anläßlich der Ausstellung zu Gast. Kuhländler Tänze eröffneten im Foyer des Hauses die Veranstaltung, bei der anschließend durch Pater Clemens, Urgroßneffe Mendels, die Ausstellung vorgestellt wurde, auch der Großneffe Mendels Herr Prof. Ing. Walter Mann war gekommen. Erika Neumann unsere Odrauer Heimatdichterin ließ es sich nicht nehmen, ein Gedicht bezogen auf unseren großen Landsmann vorzutragen. Die Veranstaltung wurde für die Teilnehmer zu einem besonderen Erlebnis durch diese interessanten verschiedenen Begegnungen mit andern Landsleuten und durch die offene freundschaftliche Atmosphäre. Am 22.2. fand auf Einladung durch das Haus der Heimat Stuttgart, in einer Begleitveranstaltung eine Wiederholung der Führung durch die Ausstellung mit Pater Clemens für öffentliches Publikum statt, die ebenfalls besonders gut besucht war. Auch die Vereinbarungen zum Besuch durch „Schule und Bildung“ fanden großes Interesse, so daß die Ausstellung nach Besuch einer Gruppe der Sudetendeutschen Landsmannschaft mit Dr. Nowak am 2. März mit großem Erfolg abgeschlossen werden konnte.

Am 19. März 2007 konnte der Landschaftsrat für das Kuhländchen und Vorsitzender des A.H.-Vereins Fridolin Scholz an einer weiteren Ausstellungseröffnung über Johann Gregor Mendel im „Anette-Kolb-Gymnasium“ in Traunstein mit seiner Frau und Sohn Stephan mit Enkelin Marie Lene teilnehmen. Die Veranstaltung hatte durch die Fachschaften des Gymnasiums „Biologie und Geschichte“ einmal die Forschungen von Mendel zum Thema, aber auch gleichzeitig im Zusammenhang mit dem Geburtsort von Mendel Heinzendorf/Hyncice, der in der heutigen Tschechischen Republik liegt, waren das Münchner- und das Potsdamer-Abkommen bzw. die Vertreibung der Sudetendeutschen aus ihrer Heimat Gegenstand im Geschichtsunterricht.

Auch diese Ausstellungseröffnung, gestaltet von Chor der Klasse 7c unter Leitung von Ilse Höppler, mit Liedern und einem Klavierstück des tschechischen Komponisten Leos Janacek, der in Mähren geboren ist, wurde damit gleichzeitig zu einer grenzüberschreitenden Geste und Mendel zur versöhnenden Persönlichkeit zwischen Tschechen und Deutschen.

F. S.


Einladungsprospekt
Mendel-Ausstellung

Ausstellungs-Einladung im
Anette-Kolb-Gymnasium in
Traunstein
   

Eröffnung der Veranstaltung
mit Kuhländler Tänze

Pater Clemens führt durch
die Ausstellung
   

Mendelbüste

Ausstellungseröffnung im
Anette-Kolb-Gymnasium mit
Direktorin bei der Ansprache
und Kinderchor
   

Säule mit Erläuterungen zum Münchner- und Potsdamer Abkommen
 

 

 

 

 

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