Kommunistischer Terror in der Tschechoslowakei

Luděk Navara, Miroslav Kasáček: Und trotzdem bleiben sie uns nah – Das Leben und der Märtyrertod der Priester Jan Bula und Vaclav Drbola aus Babice. Gerhard Hess Verlag, Bad Schussenried 2019, 253 Seiten, Broschur, zahlreiche Abbildungen und ein Namensregister. ISBN 978-3-87336-637-4. 16,80 Euro

 

Schon vor der Machtergreifung der Kommunisten in der Tschechoslowakei im Jahre 1948 hatte die kommunistische Partei des Landes mit der Erstellung von schwarzen Listen begonnen. Erfasst wurden in ihnen alle Personen die sich vermutlich der nach sowjetischem Muster geplanten „Diktatur des Proletariats“ widersetzen würden: Bauern, Handwerker, Unternehmer, Intellektuelle, aber auch Priester der katholischen Kirche, der damals noch 75% der Bevölkerung angehörte.

Im Jahr 1951 wurde mit der „Kollektivierung“ der Landwirtschaft begonnen. Und wie zu erwarten war, gab es besonders in ländlichen Gegenden sofort erhebliche Ablehnung. Mancherorts reaktivierten sich geheime Widerständler, die schon zur Zeit der NS-Besetzung des Landes aktiv waren, gegen das Regime. Manche hofften sogar, dass die Westalliierten eingreifen würden, um die Tschechen vom Kommunismus zu befreien. Das war der Regierung dank allgegenwärtiger Spitzel bekannt und man wartete nur auf eine Gelegenheit, um mit drakonischen Maßnahmen die Bevölkerung einzuschüchtern. Diese Gelegenheit ergab sich, als in dem kleinen südmährischen Ort Babice eines Tages drei Funktionäre des örtlichen Nationalausschusses bei einer Schiesserei umkamen. Nach sofortigen umfangreichen Verhaftungen anhand der schon vorhandenen schwarzen Listen fanden spektakuläre Schauprozesse statt, in denen 107 Personen verurteilt, davon elf zu Todesstrafen und die übrigen zu insgesamt mehr als 1375 Jahren Gefängnis. Das war aber nur der Anfang, denn anschließend wurden nicht nur die Familien der Verurteilten sondern willkürlich weitere Familien, vor allem solche, die seit Jahrhunderten unbehelligt ihr Land bewirtschaftet hatten, in andere Landesteile deportiert.

Die Autoren Kasáček und Navara haben nach jahrzehntelangen eigenen Recherchen und Zeitzeugenbefragungen beispielhaft das Schicksal der beiden im „Fall Babice“ zum Tode verurteilten Priester Bula und Drbola aufgeklärt. In der katholischen Kirche läuft für diese derzeit ein Seligsprechungsverfahren. In bedrückender Weise schildert das Buch, wozu ideologisch verblendete Menschen gegenüber ihren eigenen Landleuten im Stande sind. Der Leser erhält einen authentischen Einblick in die Verhältnisse der Nachkriegstschechoslowakei und erfährt, wie hilflos die Bevölkerung dem kommunistischen Terror ausgeliefert war. Zahlreiche Abbildungen ergänzen den Text, der von Eugenie Trützschler von Falkenstein aus dem Tschechischen übersetzt wurde. Das Buch wurde auf der Leipziger Buchmesse 2019 erstmals vorgestellt.
 
 

Art-Nr.: 62
ISBN: ISBN 978-3-87336-637-4
Preis: EUR 16,80
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