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Kommt mit in's Kuhländchen !

vom 08.02.2010
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So hieß der Titel der Vortragsveranstaltung über die „alte mährisch-schlesische Heimat" im Heimathaus Traunreut am 2. Februar 2010, mit der Prof. Ulf Broßmann ein großes Publikum begeisterte. Der Traunreuter Anzeiger berichtete ausführlich darüber in seiner Ausgabe vom 5. Februar:

Kuhländchen? Das klingt niedlich, possierlich, beinahe märchenhaft. Für einen Bildungsbürger von heute ist eine Kuh der Inbegriff von Dummheit. Früher war das anders. Wenn die alten Griechen einer Frau ein Kompliment wegen ihrer Schönheit machen wollten, sagten sie, sie sei kuhäugig. Die alten Römer nannten das Rindvieh - heute fast ein Schimpfwort - pecus und pecunia ist das Wort für Geld. Also Ausdruck der höchsten Wertschätzung!
So etwa ist das auch mit dem Kuhländchen. Die Bewohner dieser Landschaft waren besonders angesehen, ja berühmt wegen ihrer erfolgreichen, intensiven Viehwirtschaft. Der Landschaftsname ist aber erst seit der Mitte des 18. Jahrhunderts nachweisbar. Die Bauern bewirtschafteten ihre großen Vierkanthöfe. Sie waren Nachfahren der Siedler, die seit den Tagen des böhmischen Königs Ottokar I. (Anfang 13. Jh.) aus dem Westen auch nach Mähren gekommen waren. Sie kultivierten das ziemlich sumpfige, unwegsame Gelände. Lange waren sie leibeigen und litten unter den wiederholten Einfällen von Kriegsscharen, die durch die Mährische Pforte gezogen kamen. Auch die neuzeitlichen Konflikte der Konfessionen brachten große Verluste. Die Mährischen Brüder des J. A. Komensky (Comenius) mußten ihre Heimat verlassen: einige fanden in dem sächsischen Herrnhut Zuflucht.
Mit der Aufhebung der Leibeigenschaft unter Kaiser Joseph II. (1781) und dem Beginn des Verkehrsausbaus (Kaiserstraße, Nordbahn) und der Industrialisierung im 19. Jh. entwickelte sich auch in den Märkten und Städten des Kuhländchens das Gewerbe; die Hutmacher in Neutitschein waren gar international berühmt. Die seit dem 19. Jh. anschwellenden Auseinandersetzungen der Nationalitäten erreichten hier nicht ganz die sonstige Schärfe; immerhin kam es 1905 zum "Mährischen Ausgleich", der zu einem Modell für die Koexistenz hätte werden können. Als Teil der (ersten) Tschechoslowakischen Republik gerieten auch die Deutschen im Kuhländchen in den Sog der großen Weltgeschichte. Der Weltkrieg brachte große Zerstörungen. Am Ende stand die zunächst wilde, dann die "humane und geregelte Vertreibung".
Spuren sind geblieben. Sie zu sichern, vor dem Vergessen zu bewahren und Brücken aus der Vergangenheit in die Zukunft zu schlagen, ist das erklärte Anliegen von Menschen wie Prof. Broßmann, der 1943 im Kuhländchen geboren ist. Sein Lehrfach ist Maschinenbau, nicht Geschichte. Aber sein Vortrag mit Power-Point-Projektion hat gezeigt, daß sein historischer Horizont weit über seine wiederentdeckte Heimatlandschaft hinausreicht. Auch mit Einspielungen gelang es ihm, das Kulturprofil seiner Landschaft zu entwickeln. Die Tracht, der Volkstanz und das Liedgut gehören ebenso dazu wie die Volksfrömmigkeit, die sich besonders im Wallfahrtswesen der katholischen Landbevölkerung zeigte. Es fehlte letztlich nur noch der Appell des Referenten: Kommt mit in's Kuhländchen !  Für nicht Wenige im stattlichen Publikum war es eine mediale Rückkehr in die „Alte Heimat".
Der abschließende Dokumentarfilm rekapitulierte nochmals die Geschichte des Ländchens, zeigte Bilder von der „lieblichen Landschaft", in der sich Eichendorff gerne aufgehalten hat, von den Schlössern und den Städten.

 

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