Heimatkreis ODRAU

Odrauer Stadtwappen nach 1945
 
   
Odrau war Bezirksstadt; der Heimatkreis Odrau „in der Vertreibung“ umfaßt praktisch den Teil des früheren Gerichtsbezirks Odrau (Schlesisch-Wolfsdorf wurde 1995, in Vereinbarung mit der Sudetend. Landsmannschaft [SL], zusammen mit Mährisch-Wolfsdorf, dem Heimatkreis Fulnek zugeordnet).
Die Dörfer des Gerichtsbezirks Odrau wurden im Rahmen der Besiedelung, zum größten Teil nach Deutschem Recht neu angelegt und die anderen, die schon vorhanden waren, mit Deutschem Recht bewidmet.
Die Anleger Peter, Heinz, Tobias, Jakob, Hermann, Thas (Thadäus), Wolf und Kunz gaben den verschiedenen neuen Dörfern wie Petersdorf, Heinzendorf, Dobischwald, Jogsdorf, Hermsdorf, Taschendorf, Wolfsdorf und Kunzendorf ihre Namen.

 

  Foto: F. Scholz, 1993

Blick von der Straße Odrau-Fulnek in das sich weitende Odertal, in Richtung Neudörfel, Lautsch, Jogsdorf

Archivbild

Waldpartie um die Jahrhundert-wende, auf dem Weg von Sponau nach Jogsdorf

 

Das Odertal

war für den naturfreudigen Wanderer ebenso ein beliebtes Ausflugziel, wie es von erholungsuchenden Sommergästen gerne als Sommerfrische gewählt wurde. Die Schönheiten der Landschaft wurden in sinnvoller Weise durch einige altertümliche Baudenkmäler, wie z.B. die „Gedeckte Brücke“ über die Oder in Lautsch oder der „Alte hölzerne Glockenturm“ in Jogsdorf oder die „Kapellen und Kirchen“ in den Dörfern hervorgehoben. „Mariastein“ als Wallfahrtsort, aber auch beliebtes Ausflugsziel, war die Perle im oberen Odertal.

 

  Foto: F. Scholz, 1996

Odertal bei Mariastein

 

 

Die Menschen, die im Odertal und seiner Umgebung lebten, waren von dieser Landschaft geprägt, die ihnen liebe Heimat war. Sie zogen aber auch hinaus in die Welt, als Botschafter dieses Landes, als Wissenschaftler, Ingenieure, Künstler, Historiker und als Missionare.

Der wohl größte Sohn seiner Heimat, J. Gregor Mendel, wurde bereits genannt. Andere: H. J. Demel, Mathematiker und Astronom; Eduard Gerlich (1836–1904), Erbauer von Bergbahnen, Univers. Zürich; Anton Rolleder (1855–1912), Historiker und Verfasser der Rolleder-Chronik (1903); Vinzenz Tomas, Zeitgenosse und Schwager von A. Rolleder, der zur Erstellung der Rolleder-Chronik Unmengen von Urkunden sammelte, sichtete und abschrieb; Emil Zimmermann (1861–1928), Bildhauer, er schuf die Figur des Springbrunnens am Stadtplatz in Odrau, Gustav Kreitner (1847–1893), Asienforscher; Rudolf Kobiela (1896–1923), Holzschnitzer und Maler.
Zu erwähnen wäre auch das Schnitzen von Krippenfiguren, was als Volkskunst betrieben wurde: u.a. war hier die Familie Heinz in 3 Generationen, Vater Josef (1797–1872), Sohn Alois (1826–1903) und ein Enkel, tätig; Josef Klein (1849–1918), Bildhauer und der in Troppau geborene Bildhauer Anton Reymann (1807–1863).

In Lautsch lebte die Heimatdichterin, Bäuerin und Müllerin, Johanna Wesselsky (1894–1984), sie hat eine Sammlung von Liedern, Gedichten und Erzählungen u.a. auch über die Tragik der Vertreibung aus der Heimat hinterlassen:

J.G. Mendel E. Gerlich H.J. Demel
A. Rolleder V. Tomas E. Zimmermann

G. Kreitner R. Kobiela J. Wesselsky

 

Mei Odertol


1. Garn denk ech of mei Odertol,
so dunklgrün emrahmt,
dr Hirnich es vom Sunnlicht vol,
dr Lautschwald nikt vertramt.
/: Un mettn durch de Oder fließt,
du liebes Tol sei mir gegrüßt. :/
  2. Zwe Mühln gen em sich dort eim Grund,
sein fleßich indezu,
mer hört se kloppern, Stund um Stund,
on Rost un one Ruh.
/: Dr Mühlboch munter gluckst un rauscht,
dar hot vel Lieb un Gleck derlauscht. :/
         
3. Wo drei Kapelln dr Glockn Klang,
hebt fromm dech ei de Loft,
dr Lerchlen heller Lobgesang,
mischt drei sech oft un oft.
/: Stet mer om Berg so hoch un frei,
do siet mer bis eis Kuhland nei. :/
  4. Bis zun Beskidn schweift dr Bleck,
eim weitn, weitn Rund,
doch do eim Tol das stelle Gleck,
hält unser Herz gesund.
/: Es kon ja nirgends schöner sein,
ols wie eim Odertol allaen. :/
         
5. Wenn übers Tol a Water kömmt,
do ziehts a wieder fort,
un wenn dr Habicht a wos nemmt,
dos Tol, dos läßt er dort.
/: Maria breit jo ollzumol,
dein Mantl übers Odertol. :/
  6. Ei’s Heimatdorf zur Oder hen,
wär a dr Weg recht lang,
do möcht mer glei zu Fuß hengen,
dort wärs uns nimmer bang.
/: Eim Odertol so friedlich schön,
dort möcht mer a wölln schlofe gen! :/

 

Die Pochhütte

Von Odrau nach Fulnek am Straßenrand die alte liebe Pochhütt stand. Am Samstag und Sonntag, da kehrte man ein, die Burschen und Mädchen zum Tanz und zum Wein.
Bei froher Musik auch aus Fulneks Gauen kamen herüber die schönsten Frauen. So mancher, man hat es vernommen, ist so zu seiner Frau gekommen!
Aber auch sonst bei Tanz und Musik fand dort manch einer sein Eheglück.

 

Seite zuletzt geändert am 25.10.2015